Mehr Schwein, mehr Tee
January 25th, 2012 by karine
Es freut mich heute einen weiteren Bericht unserer reiselustigen Freunde hier einzustellen. Wenn jemand Land und Leute kennenlernen will und kann dann sind es die beiden. Zuerst einmal eine Karte zur Orientierung und dann viel Vergnuegen beim Lesen:


Wider Erwarten hat sich’s kaum verändert. Einige Neubauten entlang der Hauptstraße und auch sonst wird, wie überall, fleißig gebaut. Doch die Altstadt ist teilweise noch im Originalzustand. Wie auch die ärmlichen Miao- und Yao-Siedlungen. Inzwischen gibt es drei Hotels im Ort und per Zufall finden wir das überaus gastliche Tong Xing. Vor allem die Tierliebe unserer Wirtsleute ist außerordentlich bemerkenswert für chinesische Verhältnisse. Die handzahmen Singvögel fliegen frei im Garten herum. Nach wie vor bietet ein halbes Dutzend Gaststätten bodenständige Hausmannskost zu vernünftigen Preisen. Doch wie sich bald herausstellt, werden wir die selten beanspruchen.
Kaum ein Mensch im Ort, der nicht mit Tee zu tun hat, Pflanzer, Händler, Produzenten, Pflücker. Unser Hauswirt hat selbst ein paar Mu und produziert einige Dutzend Tonnen im Jahr. Ein kleiner Teil davon seltener Baumtee (Da Shu Cha).
Wir wollen nach Ma Hei am Ende der Straße nach Norden. Dort soll’s die Teebäume geben. Nahverkehrsnetz gibt’s kaum, also Autostopp. Die Frequenz ist allerdings bescheiden. Der allererste Wagen nimmt uns dann aber gleich die ersten drei Kilometer mit, und der zweite bleibt eine Minute später stehen. Ein junges Paar verstaut uns hoch erfreut hinter einem Berg von Feuerwerkskörpern. Ma Hei, das sind einige Häuser in einödiger Talsenke, die Umgebung wunderschön. Wir steigen in die Wälder hinauf und suchen die Bäume. Schwierig, wenn man sie nicht kennt. Zumindest stehen hier betagte Stauden herum, einige zeigen schon erste Blüten. Ist ja eigentlich noch Winter. Der Frühling fängt morgen an und die erste Ernte wird Ende März gepflückt. Dann kommen auch die Einkäufer aus aller Welt.
Wir sind durstig und finden keinen Laden im Ort. Auf dem Rückweg zur Straße winkt ein alter Herr - “he cha (Teetrinken)”, “Ja, bitte!”, die Rettung. Drei Mädels sind auch da, die Eltern schlachten grad irgendwo das Neujahrsschwein. Wir schlürfen hauseigenen Tee und sollen auch noch zum Mittagessen bleiben. Da lassen wir uns gerne überreden. Es gibt bittere Baumblüten (Ku Hua), Kraut, vergorenen Tofu, Huhn und scharfes Rindfleisch mürb - alles einfach und sehr gut. Die Mädels sind super-cool, eine erzählt pausenlos Geschichten und wir verstehen auch hie und da was.
Dann wollen wir doch zurück und marschieren los Richtung Yiwu, zwei Kurven später sitzt das halbe Dorf beim Neujahrsschwein und ist schon gut eingestimmt. Wir sollen gleich wieder zum Essen bleiben. Erbarmungslose Gastfreundschaft. Wir wollen aber weiter, es ist früher Nachmittag und kaum noch Verkehr. Die Gegend ist traumhaft schön, die Straße führt durch kühlen Dschungel und Teegärten. Ein SUV kommt, bleibt stehen, und der Beifahrer entschuldigt sich, daß der Wagen schon voll ist. Dann ein Brotauto. Ein Mädel muß auf die Ladefläche und wir steigen zu. Eine Teehändlerfamilie aus Yiwu. Dort angelangt müssen wir gleich mit zum Verkosten. Hier gibt’s alle Sorten: kleinblättrig, großblättrig, alt, jung und frisch vom Laib geschabt. Auch Baumtee. Der ist herb wie Medizin, sehr stark und relativ teuer (das dreiviertel Kilo für 380 Yuan). Wir fragen uns, ob wir was kaufen sollen müssen, die Lösung ist einfach. Um Sechs werden wir zum Neujahrsdinner erwartet. Erbarmungslose Gastfreundschaft.






