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Mehr Schwein, mehr Tee

Es freut mich heute einen weiteren Bericht unserer reiselustigen Freunde hier einzustellen. Wenn jemand Land und Leute kennenlernen will und kann dann sind es die beiden. Zuerst einmal eine Karte zur Orientierung und dann viel Vergnuegen beim Lesen:

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Endlich unterwegs. Stadtflucht nach der elend langen Warterei aufs Visum. In Jinghong wird’s immer lauter, mehr Touris, Knallerei und Fröhlichkeit bis spät nachts. Bloß weg, bevor die Preise steigen. Zweieinhalb Stunden östlich liegt Yiwu auf einem der sechs historischen Teeberge. Vor sieben Jahren waren wir schon einmal da. Da war es ein eher verschlafenes Nest mit einem einzigen Gästehaus weit unterm Sterne-Niveau.
Wider Erwarten hat sich’s kaum verändert. Einige Neubauten entlang der Hauptstraße und auch sonst wird, wie überall, fleißig gebaut. Doch die Altstadt ist teilweise noch im Originalzustand. Wie auch die ärmlichen Miao- und Yao-Siedlungen. Inzwischen gibt es drei Hotels im Ort und per Zufall finden wir das überaus gastliche Tong Xing. Vor allem die Tierliebe unserer Wirtsleute ist außerordentlich bemerkenswert für chinesische Verhältnisse. Die handzahmen Singvögel fliegen frei im Garten herum. Nach wie vor bietet ein halbes Dutzend Gaststätten bodenständige Hausmannskost zu vernünftigen Preisen. Doch wie sich bald herausstellt, werden wir die selten beanspruchen.
Kaum ein Mensch im Ort, der nicht mit Tee zu tun hat, Pflanzer, Händler, Produzenten, Pflücker. Unser Hauswirt hat selbst ein paar Mu und produziert einige Dutzend Tonnen im Jahr. Ein kleiner Teil davon seltener Baumtee (Da Shu Cha).
Wir wollen nach Ma Hei am Ende der Straße nach Norden. Dort soll’s die Teebäume geben. Nahverkehrsnetz gibt’s kaum, also Autostopp. Die Frequenz ist allerdings bescheiden. Der allererste Wagen nimmt uns dann aber gleich die ersten drei Kilometer mit, und der zweite bleibt eine Minute später stehen. Ein junges Paar verstaut uns hoch erfreut hinter einem Berg von Feuerwerkskörpern. Ma Hei, das sind einige Häuser in einödiger Talsenke, die Umgebung wunderschön. Wir steigen in die Wälder hinauf und suchen die Bäume. Schwierig, wenn man sie nicht kennt. Zumindest stehen hier betagte Stauden herum, einige zeigen schon erste Blüten. Ist ja eigentlich noch Winter. Der Frühling fängt morgen an und die erste Ernte wird Ende März gepflückt. Dann kommen auch die Einkäufer aus aller Welt.
Wir sind durstig und finden keinen Laden im Ort. Auf dem Rückweg zur Straße winkt ein alter Herr - “he cha (Teetrinken)”, “Ja, bitte!”, die Rettung. Drei Mädels sind auch da, die Eltern schlachten grad irgendwo das Neujahrsschwein. Wir schlürfen hauseigenen Tee und sollen auch noch zum Mittagessen bleiben. Da lassen wir uns gerne überreden. Es gibt bittere Baumblüten (Ku Hua), Kraut, vergorenen Tofu, Huhn und scharfes Rindfleisch mürb - alles einfach und sehr gut. Die Mädels sind super-cool, eine erzählt pausenlos Geschichten und wir verstehen auch hie und da was.
Dann wollen wir doch zurück und marschieren los Richtung Yiwu, zwei Kurven später sitzt das halbe Dorf beim Neujahrsschwein und ist schon gut eingestimmt. Wir sollen gleich wieder zum Essen bleiben. Erbarmungslose Gastfreundschaft. Wir wollen aber weiter, es ist früher Nachmittag und kaum noch Verkehr. Die Gegend ist traumhaft schön, die Straße führt durch kühlen Dschungel und Teegärten. Ein SUV kommt, bleibt stehen, und der Beifahrer entschuldigt sich, daß der Wagen schon voll ist. Dann ein Brotauto. Ein Mädel muß auf die Ladefläche und wir steigen zu. Eine Teehändlerfamilie aus Yiwu. Dort angelangt müssen wir gleich mit zum Verkosten. Hier gibt’s alle Sorten: kleinblättrig, großblättrig, alt, jung und frisch vom Laib geschabt. Auch Baumtee. Der ist herb wie Medizin, sehr stark und relativ teuer (das dreiviertel Kilo für 380 Yuan). Wir fragen uns, ob wir was kaufen sollen müssen, die Lösung ist einfach. Um Sechs werden wir zum Neujahrsdinner erwartet. Erbarmungslose Gastfreundschaft.Wieder_Schwein.jpg

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Kindermond

Heute vormittag vor meinem Kuechenfenster:

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Kuecheneinblick

Waehrend die Freunde von ihren Abenteuern in Freiluftkuechen berichten wird auch hier im weniger wilden aber kaelteren Teil der Provinz gekocht, gegessen, gefeiert. Seht selbst:

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So wurde das neue Jahr mit einem ausgedehnten Fruehstueck begruesst.

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Nudeln, ganz ohne Maschine! LiPing kann es. LaMian bedeuted gezogene Nudeln weden durch die Luft gewirbelt und schmecken ganz wunderbar. Die Fans von Robert duerfen das gar nicht lesen, wenn die erfahren dass man das lernen kann….LiPing wohnt noch dazu in der Schweiz wenn sie nicht gerade hier zu Besuch ist.

 Schon da die Fortsetzung von Evelyne und Bobbys Neujahrsbericht :
Es geht wieder los. Das Schwein ist geschlachtet und am Sonntag soll es ein Festessen geben bei Lao Li, vulgo Harvey. Um halb zehn holt uns Mr. Bu ab. Bank Liu schafft es leider nicht. Dafür kommt Ye Mao mit, der Schlangenflüsterer. Und Frank, der uns die ganze Fahrt lang detailgetreu Hollywood-Filme nacherzählt. So vergeht die Zeit und er trainiert sein Englisch. Er kann es auch, nicht zuletzt weil er unzählige englischsprachige Filme mindestens viermal gesehen hat.
Vor dem Abzweig auf die unbefestigte Straße müssen wir noch eine Zündkerze tauschen lassen. Wir haben uns schon gewundert, weil es Mr. Bu heute so gemütlich anging. Die Reparatur ist nach zwanzig Minuten erledigt, jetzt zieht das Brotauto den Berg hoch und wir erreichen mittags, gut durchgerüttelt, Botang.
Man empfängt uns wie alte Freunde. Die mitgebrachten Fotos vom letzten Besuch kommen gut an. Frank meint, daß jetzt drei Generationen die Bilder ehrenvoll aufbewahren werden. Wir sind ohnehin schon (Wahl-)Grandpa und -Grandma.
Ohne weitere Umschweife werden die Spielkarten rausgeholt. Wir haben trainiert und können schon etwas besser mit den Zockern mithalten. In der Freiluft-Küche werden mit dem großen Dao die frischen Schweineteile zerhackt, die Frauen waschen und stopfen Wurstdärme. Bald bittet man uns zu Tisch. Der biegt sich unter dampfenden Schüsseln: Fleisch gebraten, gehackt mit Szechuan-Pfeffer und Paprikastreifen, Innereien gekocht und pikant gewürzt, dazu reichlich Bier und Selbstgebrannten.
Die Männer machen nach dem Essen zur Ertüchtigung bzw. Ernüchterung einen kurzen “hike” den Berg runter und wieder rauf. Der soll auch den Appetit anregen auf das Abendessen. Grandpa ist nach achtzig Prozent Steigung und ebenso starkem Reisschnaps ein bissl erschöpft und muß ein Nickerchen machen. Die anderen sind wieder am Karten dreschen. Zum Dinner essen wir die Reste vom mittäglichen Fleisch mit frischen Beilagen, Erbsen, Kürbis und Tofu.
Draußen strahlt wieder großes, malerisches Abendrot und bald freuen wir uns über den offenen Herd im Haus. Reichlich befeuert von Schnaps und gutem Essen werden die Geschichten immer wilder. Ye Mao, halb Burmese, halb Laote mit chinesischem Paß, zeigt uns die Narben seiner Kobrabisse. Angeblich hat er als Gegengift das Hirn der erlegten Schlange in die Wunden gerieben; einige Gläser später hat er einem jungen Bären die Tatze abgehackt und wurde vom Muttertier in den Mekong gejagt. Wir fragen nach Tigern.Vor Jahren soll einer von einem Wilderer erschossen worden sein. Der Jäger wurde zuerst zum Tod verurteilt, dann hat man die Strafe auf Zahlung von 400.000,- Yuan umgewandelt. Die Familie ist verarmt und der Wilderer sitzt immer noch im Knast.
Wir sollen noch unbedingt mit zur Hochzeitsfeier unten im Ort. Ohne heftiges Weitertrinken würde das aber gar nicht gehen, dann kämen wir hier überhaupt nicht mehr weg heute. Also machen wir uns spät auf den Heimweg, erschöpft und zufrieden.

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Bobby und Evelyne, die Wiener Freunde, verbringen den jungen Januar im Sueden unserer Provinz Yunnan. Was sie erlebt haben moechte ich hier als Gastbericht veroeffentlichen. Ich hoffe sehr auf Fortsetzung der schoenen Geschichten. 

Am Neujahrstag haben wir einen Ausflug gemacht. Nach Westen, ca. 70 km in die Berge bei Menghai, zusammen mit drei Freunden von Dr. Sommers English-Club: Bank Liu, Mr. Bu und Frank (der neue).

Nach einer Stunde auf der Bundesstraße holpern wir wieder einmal auf wilden Feldwegen bandscheibengefährdet bergauf.  Unterwegs werden noch ein paar Kartons Äpfel und Bier zugeladen und kurz vor Mittag erreichen wir das Hundert-Familien-Dorf Botang. Der Gastgeber empfängt uns herzlich. Wir nennen ihn Harvey wegen der verblüffenden Ähnlichkeit mit Keitel. Es gibt Tee von den hauseigenen Pflanzungen, wir tauschen Zigaretten und Herzlichkeiten mit seinen Söhnen und dem jüngeren Bruder. Die Frauen bereiten das Essen auf offenem Feuer. Davor bringt man uns noch ein Kartenspiel bei. „Bomb the Landlord“, auch „Kampf dem Kapitalisten“, glücklicherweise ein Teamspiel, sodaß wir uns mit dem Partner ganz gut durchmogeln können.

Und sowieso gibt es bald Essen in der kargen Rauchkuchl, an der Feuerstelle direkt auf dem Boden. Solide Hausmannskost: Ingwer-Hühnersuppe, gebratenes Schweinefleisch, gekochter Kürbis, Taro und eingelegtes kaltes Gemüse. Dazu reichlich hausgebrannten Reisschnaps. Bauer Harvey bewirtschaftet vier Teefelder mit zwei Tonnen Ertrag pro Jahr, dazu ein paar Reis- und Tarofelder für den Eigen- und Futterbedarf. Er zählt zum örtlichen Mittelstand, was allerdings relativ zu bewerten ist.

Nach dem Essen lädt er uns zur Besichtigung der Teeplantage. Ein mühsamer Aufstieg, doch eine willkommene Übung nach zahlreichen Schnäpsen, belohnt mit dem herrlichen Ausblick über die Täler rund um Menghai.

Später fahren wir ins Nachbardorf, um Harveys alten Schwiegervater zu besuchen. Der lebt dort allein, seine beiden Töchter sind in der Stadt und er möchte etwas Land verpachten. Die Club-Freunde sind sehr interessiert am Pachtpreis. Vielleicht suchen sie eine Sommerfrische hier oben – in der Mekong-Ebene wird’s bald wieder ganz schön heiß. Jetzt im Winter heben sich die Nebel erst um zehn, halb elf, aber in Jinghong unten hat’s heute schon gute 26 Grad.

Bald liegt schon sanftweiches Spätnachmittagslicht über den Bergen und wir müssen zurück zum Abendessen. Davor noch ein Kartenspiel während der Tisch gedeckt wird. Wir machen Fortschritte, noch geht es nicht um Geld.

Beim Essen erzählt uns Harvey freudestrahlend, daß er noch nie Ausländer zu Gast hatte. Einmal hat er von weitem welche gesehen, Hiker auf dem Weg zur höchsten Erhebung Xishuangbannas (Hua Zhu Liang Ci, ca. 2500m) ganz in der Nähe. Zum Abschied gibt er uns noch einen großen Sack Tee mit. Er will bald ein Schwein schlachten und hofft, daß wir wiederkommen können.

Wir freuen uns schon.

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